Auswirkungen der EU-Urheberrechtsreform auf die Musik

Die EU-Urheberrechtsreform:

Musik, Videos und Artikel im Internet zu teilen könnte bald deutlich schwieriger werden.

Verdienen die Urheber an der Verbreitung ihrer Werke wirklich mit?

Uploadfilter und Leistungsschutzrecht kommen. Kollateralschäden, Rechtsunsicherheiten, fehlerhafte Filter, Machtkonzentration bei großen Plattformen und schwammige Definitionen des Leistungsschutzrechtes sind Streitthemen.

Was bedeutet die EU-Urheberrechtsreform für die Musik nun wirklich?

Was spricht dafür und was dagegen?

Welche Bedenken sind berechtigt?

Das erfährst du hier…

Mehrheitlich wurde die „Richtlinie über das Urheberrecht und die verwandten Schutzrechte im digitalen Binnenmarkt“ verabschiedet.

Endgültig ist die neue EU-Richtlinie aber erst beschlossen, wenn auch der Europäische Rat zugestimmt hat. Dies wird von den Beteiligten aber als reine Formsache angesehen.

Ziel: Faire Vergütung für Urheber

Auf YouTube landen regelmäßig Aufnahmen, ohne dass Künstler und Label dafür bezahlt werden.

Gemäß Artikel 17 (ehemals Artikel 13) der EU-Urheberrechtsreform haften die Plattformen künftig für solche Verstöße.

Mit Urhebern sollen Lizenzen abgeschlossen werden, damit sie vergütet werden können. Unabhängig davon, wer das Material online gestellt hat. Die Plattformen wiederum sollen bei den Rechteinhabern die Lizenzen dann erwerben.

 

Ziel: Eine angemessene Vergütung für Kreative im Internet.

 

Die Musik-Verwertungsgesellschaften begrüßen die Reform:

Dr. Tobias Holzmüller, Justiziar der GEMA: „Wir glauben, dass insbesondere dieses Element die Position der Urheberinnen und Urheber in ganz Europa gegenüber den Plattformen deutlich verbessert“.

„Dank der Richtlinie müssen Online-Plattformen Urheber für die Nutzung der Werke endlich fair bezahlen. Das ist seit Jahren überfällig“, so GEMA-Vorstandschef Harald Heker.

Prof. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates: „[…] Jetzt geht es darum, ein wirklich freies Internet anzustreben – dieses Ziel eint uns mit den Kritikern der Reform. Die Marktmacht der Internetgiganten ist nach wie vor ungebrochen, aber die neue Richtlinie zwingt sie dazu, ihrer Verantwortung gegenüber Urheberinnen und Urhebern in stärkerem Maße nachzukommen. Die faire Vergütung Kreativschaffender ist die Voraussetzung für Freiheit und Vielfalt im Netz und lässt sich nur mit den Kreativen, nicht ohne sie, erreichen.“

 

Die Richtlinie soll also

  • die Position von Rechteinhabern stärken
  • den Abschluss angemessener Lizenzvereinbarungen fördern und
  • Rechtssicherheit für die User auf Plattformen bringen

 

Na Bravo! Das klingt doch super 😉

Warum dann die heftigen Diskussionen?

Streit-Thema Uploadfilter

Uploadfilter-Urheberrechtsreform

Um zu verhindern, dass geschützte Werke hochgeladen werden, werden die Plattformen auf Uploadfilter zurückgreifen müssen. (Bisher mussten die Plattformen nur reagieren, wenn sie von der Rechtsverletzung Kenntnis erlangten)

 

Viele haben nun Angst vor Zensur!

Die Meinungsfreiheit sehen nun viele in Gefahr!

 

Kritiker befürchten jedoch, dass dadurch auch legale Uploads öfter blockiert werden könnten. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass vor allem bei klassischer Musik, Chormusik, Zitaten, Parodien oder Satire entsprechende Filter oft unzureichend funktionieren. Deshalb könnte ein gesetzlich zwingender Automatismus mehr kaputt als gut machen.

Einige befürchten zudem, dass die Uploadfilter der Monopolstellung der großen Konzerne weiter Aufwind geben wird.

Sie könnten die Technologie dann teuer an kleine Unternehmen verkaufen. Diese verfügen evtl. nicht über die finanziellen Ressourcen, eine derartige Lösung selbst zu realisieren.

Nur große Konzerne verfügen zudem über das Know-how und Kapital, um die notwendigen Algorithmen und Datenbanken zu entwickeln. Auch die Einholung tausender Lizenzvereinbarungen ist für kleine Plattformen oft nicht zu leisten.

Damit könnten neue Markteintrittsbarrieren geschaffen werden. Der Wettbewerb könnte darunter leiden und die Chance auf europäische Konkurrenz zu Facebook, YouTube o. ä. im Keim erstickt werden.

 

Hier muss man jedoch dagegenhalten, dass in der Richtlinie Ausnahmen für kleine Unternehmen, Privatpersonen, Foren, Bildungsseiten und Co. genannt sind. Diese beschränken sich allerdings auf einen zeitlichen Rahmen von 3 Jahren nach Markteintritt. Der Jahresumsatz muss über 10 Mio. Euro betragen und das Angebot muss mindestens 5 Mio. Nutzer haben. Im Zweifel müssen die Betreiber nachweisen können, dass sie einen erheblichen Aufwand betrieben haben, um Urheberrechtsverstöße zu verhindern.

Ob das reicht, um mit den Monopolisten konkurrieren zu können?

Oft wird auch übersehen, dass es Uploadfilter schon seit längerer Zeit gibt.

Was bedeutet die EU-Urheberrechtsreform für Musiker?

Was bedeutet die EU-Urheberrechtsreform für Musiker?

Das Problem bisher war, dass über YouTube fast 50% des Musikstreamings in Deutschland erfolgt. Der Beitrag zum Branchenumsatz beträgt allerdings lediglich 1,9%.

Obwohl YouTube mit Werbeschaltungen vor urheberrechtlich geschützten Content Milliarden verdient. Audiostreaming dagegen kann inzwischen einen Umsatzanteil von rund 35% vorweisen. Dieses bisherige Ungleichgewicht nennt man „Value Gap“. Mit der Drängung von YouTube in den kostenpflichtigen Musikstreaming-Markt möchte dieser Missstand nun behoben werden.

Auch die Abodienste von Spotify, Apple, Amazon und Co. sind aus finanzieller Sicht für die Urheber/innen bisher alles andere wie attraktiv.

Fakt ist, die Monopolisten wie Google, Facebook, Spotify, Apple und YouTube verdienen Unsummen von Geld mit dem Content anderer Leute. Sie bestimmen durch ihre Macht die Marktregeln.

Besonders Facebook und YouTube entziehen sich ihre Zahlungsverpflichtungen seit jeher mit dem Argument, dass sie lediglich als Provider fungieren.

Die EU-Urheberrechtsreform wird den Kreativen auf jeden Fall zugutekommen. So viel steht fest.

YouTube lebt von der Musik der Künstler, bezahlt diese aber mit Peanuts. Viele verdienen sich mit der Kunst eine goldene Nase. Am wenigsten jedoch der Kunstschaffende selbst.

Diesem Missstand wird die Urheberrechtsreform definitiv entgegenwirken.

Doch was ist, wenn ein Künstler seine Musik ohne Lizenz publizieren möchte? Im Zweifel wird Google die Lizenzen erwerben, für die es sich lohnt, Geld auszugeben.

Auch die richtige und zweifelsfreie Lizenzierung von Inhalten ist nicht immer möglich. Es gibt einfach zu viele verschiedene Werke von unterschiedlichen Schöpfern. Dieser Content dürfte dann auch nicht mehr hochgeladen werden.

Worauf kommt es letztendlich an?

Ich denke wir sind uns einig, dass es Zeit für eine fairere Vergütung von Kunst und Kultur wird. Die Großkonzerne müssen stärker in die Verantwortung genommen werden. Die Position der GEMA muss gestärkt und eine rechtliche Grundlage geschaffen werden, um gerechtere und transparentere Vergütungsmodelle durchzusetzen.

Kritisch zu hinterfragen ist aber auf jeden Fall die Art und Weise. Evtl. wäre die Nutzung neuer Wege wie die Blockchain-Technologie mit weniger schwerwiegenden Nachteilen verbunden. Damit könnten die Rechteinhaber automatisiert und unbürokratisch an der Verwertung ihrer Rechte beteiligt werden. Wobei der Entwicklungsstand von Blockchain einen Einsatz im großen Stil in naher Zukunft nicht erlauben wird. Evtl. hätte die Zeit mit einer Verbesserung des „Notice-and-take-down“-Meldeverfahrens überbrückt werden können.

Wichtig sind jedoch Debatten auf Basis rechtlicher Fakten. Ein Austausch muss auf Sachlichkeit beruhen und nicht auf Aktionismus.

Die jüngsten Auseinandersetzungen haben aber vor allem das vermissen lassen.

Man sollte sich bewusst machen, dass es sich bei der Urheberrechtsreform um eine Richtlinie, nicht um ein Gesetz handelt. D.h. die Umsetzung ist nicht festgeschrieben und lässt Raum für eine Lösung, die die aktuell heraufbeschworenen Untergangsszenarien zu verhindern versteht.

Wenn auch alle so besorgt um die kreative Vielfalt sind. Wird nicht dafür gesorgt, dass die Künstler von ihrer Musik leben können, hat sich das mit der kreativen Vielfalt zumindest in der Musik irgendwann von selbst erledigt.

Letztendlich war eine Reform des Urheberrechts längst überfällig und ist richtig.

Ob der Preis der Gerechtigkeit zu hoch ist? Darüber kann aktuell nur spekuliert werden.

 

Wie denkst du über die Urheberrechtsreform? Was bedeutet sie für dich? Lass uns daran teilhaben indem du einen Kommentar hinterlässt ;-)

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Der EU-Urheberrechtsreform-Text

Artikel 17, Absatz 4 – Aus der EU-Richtlinie

„Wird die Erlaubnis [zur Nutzung des Werkes, Anm.] nicht erteilt, so ist der Diensteanbieter […] verantwortlich, es sei denn, der Anbieter dieser Dienste erbringt den Nachweis, dass er

  1. a) alle Anstrengungen unternommen hat, um die Erlaubnis einzuholen; und

    b) nach Maßgabe hoher branchenüblicher Standards für die berufliche Sorgfalt alle Anstrengungen unternommen hat, um sicherzustellen, dass bestimmte Werke […] nicht verfügbar sind; und in jedem Fall

    c) nach Erhalt eines hinreichend begründeten Hinweises von den Rechteinhabern unverzüglich gehandelt hat, um den Zugang zu den entsprechenden Werken oder sonstigen Schutzgegenständen zu sperren bzw. die entsprechenden Werke oder sonstigen Schutzgegenstände von seinen Internetseiten zu entfernen , und alle Anstrengungen unternommen hat, um gemäß Buchstabe b das künftige Hochladen dieser Werke oder sonstigen Schutzgegenstände zu verhindern.“

Den gesamten EU-Urheberrechtsreform Text findest du hier.