Das müssen Musiker über Einkommenssteuer wissen. Einkommenssteuer leicht erklärt.

Künstler und das Steuerrecht. Nicht immer bewahrheitet sich der Spruch: „Gegensätze ziehen sich an.“

Steuerrecht ist eines der großen Themen auf der leidgeprüften Künstler-Seele.

Dazu kommt, nur die wenigsten Steuerkanzleien kennen sich mit diesem speziellen Metier wirklich aus. Auch hinterlassen die Kosten für den Steuerberater meist tiefe Narben auf den Bankkonten der Künstler.

Um also dem Staat nicht mehr zu bezahlen als unbedingt nötig, ist ein gewisses Fachwissen deinerseits erforderlich. Auch wenn es dir vor dem „Steuersumpf“ graut.

In meinem Experteninterview mit der Steuerberaterin Elisabeth Werdich, erfährst du genau das, was für dich wichtig ist.

Experteninterview mit Steuerberaterin Elisabeth Werdich. Einkommensteuer leicht erklärt im Musikfachblog
Elisabeth, sind Künstler denn verpflichtet Einkommensteuer zu bezahlen?

Alle natürlichen Personen, die im Inland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, sind unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.

(Eine natürliche Person bzw. physische Person ist der Mensch in seiner Rolle als Rechtssubjekt, d.h. als Träger von Rechten und Pflichten. Kurz: jeder Mensch)

 

Was muss denn grundsätzlich alles versteuert werden?

Der Einkommensteuer unterliegen alle Einkunftsarten, d.h. Einkünfte aus

  • Gewerbebetrieb,
  • selbständiger Arbeit,
  • nichtselbständiger Arbeit,
  • Kapitalvermögen,
  • Vermietung und Verpachtung,
  • Land- und Forstwirtschaft,
  • sonstige Einkünfte,

die der Steuerpflichtige erzielt. Egal ob im Inland oder Ausland. Es zählt das Welteinkommen. Wobei ausländische Einkünfte gesonderter Versteuerung unterliegen.

 

Stimmt es, dass es auch steuerfreie Einnahmen gibt?

Ja, es gibt sogar ziemlich viele steuerfreien Einnahmen (tatsächlich 71). Diese sind abschließend im § 3 EstG aufgelistet.

 

Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Welche davon betreffen Künstler?
Das ist alles steuerfrei. Musikfachblog
  • Bezug von Leistungen aus einer Kranken- oder Pflegeversicherung, oder aus der gesetzlichen Unfallversicherung
  • Mutterschafts- und Erziehungsgeld
  • Arbeitslosengeld nach einer Anstellung
  • Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes (z.B. Hartz 4)
  • Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln zur Erziehung oder Förderung der Kunst
  • Aufwandsentschädigungen
  • Einnahmen aus der nebenberuflichen Tätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer von einer gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Einrichtung bis zu einem Betrag von 2.400,–€ im Jahr.
  • Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit bei einem angestellten Künstler sind bis zu bestimmten Höhen steuerfrei (dies regelt der 3b EstG)

Es gibt noch eine Vielzahl, aber es würde doch sehr ins Detail gehen.

 

Da gibt es ja doch eine Menge. Da stellt sich nun die Frage, was genau denn nun ein Künstler überhaupt versteuern muss?

Es kommt darauf an.

Zuerst muss einmal geklärt werden, in welche Kategorie der Künstler einzustufen ist. Das bedeutet, ob er

  • freiberufliche Einkünfte nach 18 EstG,
  • gewerbliche Einkünfte nach 15 EstG, oder
  • Einkünfte als angestellter Mitarbeiter nach 19 EstG hat.

 

Wonach richtet sich die Einteilung, ob Einkünfte freiberuflicher oder gewerblicher Natur sind? Wie werden „Einkünfte als angestellter Mitarbeiter“ definiert?

Einkünfte als angestellter Mitarbeiter:

Der Musiker bekommt ein monatliches Gehalt, das am Jahresende auf einer elektronischen Lohnsteuerbescheinigung mit allen Abzügen an Lohn- und Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag und Sozialversicherung bescheinigt wird. Hiervon kann er dann bestimmte Werbungskosten abziehen.

Freiberufliche Einkünfte:

Wenn der Künstler aufgrund seiner Ausbildung (Musikstudium) selbständig als Musiklehrer oder darstellender Künstler tätig ist.

Gewerbliche Einkünfte:

Hat die Person keine besondere Ausbildung und betätigt sich in der Kunstszene (z.B. als Musiker im Coverbereich, als DJ, in einer Band, o.ä.) bezieht diese gewerbliche Einkünfte.

Im Einzelfall ist die Zuordnung nicht immer ganz einfach. Ganz grob könnte man sagen: Wenn einer nichts Eigenes erschafft, sondern nur nachmacht, bezieht er gewerbliche Einkünfte. Im Zweifelsfall sollte dies von einer Steuerfachkraft geklärt werden.

 

Wenn die Zuordnung geklärt ist, was muss dann gemacht werden?

Dann muss die Höhe der Einnahmen festgestellt werden.

Bei den gewerblichen und freiberuflichen Einkünften habe ich nämlich die Wahl, ob ich bilanzieren möchte, oder nur eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (kurz EÜR) erstellen muss.

 

Was ist denn hier der Unterschied?

Bilanz:

Bei der Bilanz werden alle Einnahmen und Ausgaben, die zeitlich in das Jahr gehören erfasst. Unabhängig davon, ob diese am Jahresende bezahlt sind oder nicht.

Einnahmen-Überschuss-Rechnung:

Bei der EÜR werden nur Einnahmen und Ausgaben erfasst, die tatsächlich in dem Jahr bezahlt wurden.

Dabei bieten sich mehr Möglichkeiten etwas zu verschieben. Bestimmte Kosten können erst im Folgejahr bezahlt werden. Dem Auftraggeber kannst du z.B. sagen, er soll die Gage erst im Folgejahr bezahlen. So kannst du die Höhe des Gewinnes, bzw. Überschusses ein wenig steuern. Diese Möglichkeit hast du bei der Bilanz nicht.

 

Also ist es doch immer besser keine Bilanz zu machen?

In den meisten Fällen ja.

Wenn aber bestimmte Grenzen überschritten werden, muss bilanziert werden.

Dies betrifft aber nur die gewerblichen Einkünfte.

Hier habe ich Grenzen z.B. Jahresumsatz von 600 TEUR und Gewinne über 60 TEUR. Sollte nur eine dieser Grenzen überschritten werden, muss bilanziert werden.

 

Das heißt, die meisten Künstler können auf eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung zurückgreifen?

Richtig! Alle freiberuflichen Künstler und ich denke 98% der gewerblichen Künstler können eine einfache EÜR erstellen.

 

Erstellung der Einnahmen-Überschuss-Rechnung: Was muss alles beachtet werden?

Schon während des Jahres sollten alle Einnahmen und Ausgaben, die im Zusammenhang mit der künstlerischen Tätigkeit stehen, akribisch gesammelt werden.

Ggf. sollten diese mit Kommentaren versehen werden, denn meist ist es sehr schwierig Sachverhalte im Nachhinein zu rekonstruieren.

 

Wie genau könnte das aussehen?

Bei einer Dienstreise z.B. sollte immer eine sogenannte Reisekostenabrechnung geschrieben werden (Formulare gibt es in den Schreibwarengeschäften oder Fachverlagen).

Wichtig ist die Dokumentation von Tag und Uhrzeit der Abreise, sowie die gefahrenen Kilometer.

Es gibt für Tage von einer Abwesenheit von über 8 Stunden nämlich 12,–€ und bei über 24 Stunden (also mehrtägige Reisen) 24,–€ an Verpflegungspauschalen. Diese dürfen von den Einnahmen abgezogen werden. Außerdem dürfen die gefahrenen km mit -,30€/je km ebenfalls zum Abzug gebracht werden.

Also wenn jemand viel reist, kann der Gewinn bzw. Überschuss damit deutlich reduziert werden.

Ein weiteres Beispiel sind die Bewirtungsaufwendungen. Diese sind zu 70% als Betriebsausgaben abzuziehen. Der Beleg muss dabei ordnungsgemäß ausgefüllt werden. Wichtig ist z.B. die Angabe der bewirteten Personen, Grund, Ort, Datum und Unterschrift.

 

Was kann ich denn alles als Ausgaben absetzen?

Grundsätzlich alles, was mit der gewerblichen oder freiberuflichen Tätigkeit zusammenhängt.

 

Welche Arten von Ausgaben kann ich absetzen?

Dazu gehört z.B. das Equipment:

  • Instrument
  • Verstärkeranlage
  • Mikrophon
  • Noten etc.

Es kommt immer auf die Art der Kunst an, was der Künstler hierzu benötigt.

Weitere Ausgaben können in folgenden Bereichen anfallen:

  • Personalkosten für Mitarbeiter
  • Kosten für Proberäume oder Atelier mit sämtlichen Nebenkosten wie Strom, Heizung, Müll, Wasser etc.
  • Versicherungsprämien
  • Kammerbeiträge
  • Kosten für betrieblich genutzte Fahrzeuge wie Versicherungen, Steuern, Treibstoffe, Reparaturen etc.
  • Aufwendungen für Werbung
  • Reisekosten
  • Vermittlungsgebühren/Provisionen
  • sonstige Kosten wie Telefongebühren, Büromaterial, Porto, Berufskleidung, Bankgebühren, Kleinwerkzeuge bis 150,–€, Beratungskosten etc.

Du siehst, es gibt eine Vielzahl an Ausgabearten. Im Zweifelsfall alles sammeln.

 

Und das kann ich dann alles von meinen Einnahmen abziehen?

Ganz so einfach ist es nicht. Habe ich größere Anschaffungen, die ich über mehrere Jahre nutze, müssen diese Anschaffungskosten auf die Nutzungsdauer verteilt werden.

 

Anschaffungskosten auf die Nutzungsdauer verteilen? Wie muss ich mir das vorstellen?

Beispiele für Verteilung der Anschaffungskosten auf die Nutzungsdauer

Grundsätzlich:

Alle Wirtschaftsgüter, die mehr als 800,–€ kosten, müssen auf die Nutzungsdauer verteilt abgeschrieben werden.

Bei den Wirtschaftsgütern mit den Anschaffungskosten zwischen 150,–€ und 800,–€, die sogenannten „geringwertigen Wirtschaftsgüter“, gibt es ein Wahlrecht. Diese können sofort zum Abzug gebracht werden, oder als Sammelposten auf 5 Jahre verteilt abgeschrieben werden.

Dieses Wahlrecht kann der Steuerpflichtige jedes Jahr neu ausüben. Dies aber nur für die in dem Jahr neu angeschafften geringwertigen Wirtschaftsgüter insgesamt.

 

Für die Wirtschaftsgüter die abgeschrieben werden:

Hier muss ein Anlagenverzeichnis mit Angabe der Abschreibungen und der Restwerte am Ende des Wirtschaftsjahres erstellt werden.

 

Kann ich auch ein Fahrzeug betrieblich nutzen und abschreiben?
Kann ich ein Fahrzeug betrieblich nutzen und abschreiben? Musikfachblog

Da gibt es auch Besonderheiten zu beachten.

Zuerst muss einmal festgestellt werden, ob das Fahrzeug zum Betriebsvermögen gehört, oder nicht.

Dies wird mit Hilfe eines Fahrtenbuches geklärt, das mindestens 3 Monate sehr genau geführt werden muss. Hier müssen alle Fahrten erfasst werden, die mit diesem Kfz durchgeführt werden. Egal ob betrieblich oder privat.

Anhand der gefahrenen km wird das Verhältnis festgestellt, zu wie viel % das Fahrzeug betrieblich und privat genutzt wird. Liegt die unternehmerische Nutzung über 50%, so ist das Fahrzeug notwendiges Betriebsvermögen. In diesem Fall muss es in das Anlagenverzeichnis aufgenommen und bei Neuwagen auf 6 Jahre verteilt abgeschrieben werden.

Wird es zwischen 20 und 50% betrieblich genutzt, so besteht ein Wahlrecht. Es kann gewählt werden, ob das Fahrzeug als gewillkürtes Betriebsvermögen aktiviert (also in das Anlagenverzeichnis aufgenommen und abgeschrieben wird) oder Privatvermögen bleibt.

Eine Nutzung unter 20% ist notwendiges Privatvermögen. Dann können nur die aufgeschriebenen betrieblich gefahrenen km mit -,30€/km als Ausgabe angesetzt werden.

Wird das Fahrzeug aktiviert, also in das Anlagenverzeichnis aufgenommen, so muss auch die Privatnutzung steuerlich neutralisiert werden. Dies kann entweder mit einem ganzjährig geführten Fahrtenbuch geschehen oder anhand der sogenannten 1%-Regelung. Das bedeutet, dass 1% vom Bruttolisten-Neupreis jeden Monat als Einnahme angesetzt wird. Wird ein Fahrtenbuch geführt, so werden die Kosten im Verhältnis betrieblich zu privat aufgeteilt.

Bei einem Neuwagen, der über 50% betrieblich genutzt wird ist eine Aktivierung sehr vorteilhaft, weil hohe Abschreibungen den Gewinn kürzen. Wenn aber ein günstiges Gebrauchtfahrzeug mit einem hohen Bruttolisten-Neupreis angeschafft wird, kann es dazu führen, dass die Kosten niedriger sind, als die anzusetzende 1%-Regelung.

Beispiel

Fazit:

Es macht keinen Sinn ein günstiges Gebrauchtfahrzeug mit einem hohen Bruttolisten-Neupreis zu kaufen, wenn dies notwendiges Betriebsvermögen ist. Dann macht es mehr Sinn entweder einen Neuwagen zu kaufen, oder die betriebliche Nutzung unter 50% in den 3 Monaten nachzuweisen. Das Fahrzeug kann dann als Privatvermögen behandelt und die tatsächlich durchgeführten Geschäftsfahrten mit -,30€/km angesetzt werden.

 

Kann ich auch Kosten im eigenen Haus oder Wohnung, oder in einem gemieteten Wohnobjekt geltend machen?

Kosten von Wohnung und Ausstattung können geltend gemacht werden

Ja, das ist möglich.

Es muss das Verhältnis der privaten zur betrieblichen Nutzung berechnet werden und zwar anhand der qm.

Hat das Haus oder die Wohnung insgesamt 100 qm Wohnfläche und davon werden z.B. 20 qm für unternehmerische Zwecke genutzt, kann 1/5 der gesamten Kosten wie Miete und Nebenkosten als Ausgaben angesetzt werden. Bei einem Wohneigentum, das selbst gebaut oder gekauft wurde können dann anteilig auch die Abschreibung (bei Wohngebäuden 2% der Baukosten oder Erwerbskosten ohne Kosten für Grund und Boden) angesetzt werden. Auch der Ansatz von Zinsen, sowie sämtliche Nebenkosten (Strom, Heizung, Müll, Wasser, Kanal, Reparaturen, Kaminkehrer, Versicherung, Grundsteuer etc.) ist möglich.

 

Wie sieht es mit der Ausstattung des betrieblich genutzten Raumes aus? Kann diese angesetzt werden?

Ja, wenn es keine typisch privaten Gegenstände sind.

Du kannst also einen Schreibtisch, Bürostuhl, Aktenschrank etc. als Betriebsausgaben absetzen. Bei teureren Anschaffungen über 800,–€ für das einzelne Wirtschaftsgut, kann diese auf die Nutzungsdauer verteilt abgeschrieben werden.

 

Kannst du uns ein Beispiel für eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung machen?

Beispiel Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Beispiel Einnahmen-Überschuss-Rechnung
Wie viel Steuer muss dann hierauf bezahlt werden?

Hier kommt es auf weitere Gegebenheiten an. Ist der Steuerpflichtige z.B. verheiratet oder nicht, hat er Kinder und hat er noch weitere Einkünfte?

Sämtliche Einkünfte müssen bei der Einkommensteuer-Veranlagung dann zusammengerechnet werden. Es müssen hier noch die Sonderausgaben (wie Versicherungen, Kirchensteuer, Spenden etc.) und die außergewöhnlichen Belastungen (wie Krankheitskosten, Pflege-, oder Beerdigungskosten) in bestimmtem Maße zum Abzug gebracht werden.

Somit kann man nicht generell sagen wie viel Prozent hier Steuern anfällt.

 

Vielen Dank Elisabeth für deine anschaulichen Erläuterungen.

Der 2. Teil bezieht sich dann auf die Umsatzsteuer.

Aber das machen wir in einem neuen Interview 😉

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