Blockchain-Bedeutung-für-die-Musikindustrie-

Mit Blockchain wird sich die Musikindustrie erneut grundlegend verändern!

Oder doch nicht?

Nach dem Wandel vom physikalischen Tonträger zum Streaming scheint mit Blockchain nun die nächste große Veränderung in der Musikindustrie vor der Tür zu stehen. Sie hat das Potenzial, die bisherigen Strukturen in der Musikindustrie grundlegend zu verändern.

Die neuen Möglichkeiten der Monetarisierung, die die bestehenden Wertschöpfungsketten verändern werden, könnten für die etablierten Firmen eine Bedrohung darstellen, aber auch Chancen bieten.

Doch was ist die Blockchain-Technologie genau und welche Bedeutung hat sie für die Musikindustrie?

Das erfährst du jetzt…

Was ist überhaupt eine Blockchain?

Die Antwort auf diese Frage findest du hier!

 

Na? Weißt du jetzt Bescheid?

Die Blockchain zeichnet sich also durch drei Eigenschaften aus:

  • vertrauenswürdig
  • dezentral
  • unveränderbar

Das Konzept der Dezentralisierung, macht somit reine Zwischenhändler (z.B. Verwertungsgesellschaften) zunächst überflüssig. Der Weg zwischen Konsumenten und Musikern wird wesentlich kürzer.

Mehr Effizienz

Blockchain ermöglicht den Musikhörern nur noch für die Musik zu bezahlen, die sie auch tatsächlich hören.

Blockchain bietet völlig neue Möglichkeiten für vollautomatische (mittels Smart Contracts) und damit günstige Zahlungen. Künstler erhalten ihr Geld umgehend und ohne komplexe Abrechnungsmodelle. Viele Zwischenstationen entfallen und den Künstlern bleibt mehr Geld.

Effizienz heißt also das Zauberwort.

 

Axel von Perfall, Blockchain-Leader bei PwC Europe betont, dass vor allem Start-ups sich mit der neuen Technologie beschäftigen. Dabei verfolgen diese unterschiedliche Ansätze.

Blockchain Player
Blockchain Player
Blockchain Start-ups

 

Beispiel Ujo Music

Ujo Music ist Prinzip auch eine Art Label und versucht die Einnahmen gerechter zu verteilen. Sie nennen vor der Veröffentlichung alle Beiträge der einzelnen Teilnehmer zu dem Werk, um danach die Verteilung der Einnahmen entsprechend zu bestimmen. Egal ob es sich um Infos zu Songwritern, Producern, Marke der verwendeten Instrumente oder den bei der Produktion getrunkenen Café handelt. Alle Informationen werden zu Vermarktungszwecken genannt. Die Informationslage ist deutlich transparenter als bisher. Die zuvor festgelegten Handlungsfolgen und die Zuweisung der Einnahmen werden direkt nach dem Verkauf bzw. Download ausgeführt. Eine echte Alternative für die Major Labels können Plattformen wie Ujo Music jedoch nur darstellen, wenn diese auch Leistungen wie die Entwicklung von Künstlern, Vertriebswege, das Marketing und das Know-how innerhalb der Industrie bieten.

 

Vibrate

Das Start-up Vibrate hat sich zum Ziel gesetzt, Live-Auftritte dezentraler zu organisieren. Über eine Plattform werden Musiker, Booking-Agenturen und (Live-) Veranstalter zusammengebracht. Die Eventveranstalter können Musiker dabei anhand ihrer Social-Media-Kennzahlen bewerten, auswählen und direkt buchen. Die Beteiligten handeln über die Plattform ohne sonstige Intermediäre die Konditionen der Zusammenarbeit direkt aus.

 

ICOs

Doch es gibt noch viel mehr Möglichkeiten.

Über sogenannte Initial Coin Offerings können Bands Kapital für z.B. die Aufnahmen eines neuen Albums beschaffen. Dabei wird eine Krypotwährung an die Anleger verkauft. Eine entsprechende Plattform ist Pindify.

Die bisherigen Akteure der Musikindustrie
Die bisherigen Akteure der Musikindustrie

Herausforderungen, Chancen und Folgen

Mit der Blockchain-Technologie würden einzelne Akteure in der Wertschöpfungskette überflüssig werden. Deshalb könnten etablierte Player die Technologie als Bedrohung empfinden.

Die Registrierung von Abspielzeiten und die Ausbezahlung durch Verwertungsgesellschaften könnten z.B. automatisiert werden. Die Transparenz der Einnahmen aus Urheber- und Leistungsschutzrechten würde sich verbessern. Auch die Kosten für Intermediäre und für Transaktionen könnten deutlich reduziert werden.

 

Da die Metadaten aus verschiedenen Quellen stammen und ihre Qualität äußerst unterschiedlich ist (unterschiedliche Abrechnungsmodelle, verschiedene Verträge, komplexe Besitzverhältnisse), müssten zunächst die Datensammlung und Datenabstimmung standardisiert werden. Es müssten einheitliche Prozesse und Regeln im Umgang mit Daten geschaffen werden. Auch müssten die Daten vor der Eingabe verifiziert werden.

Diese Standardsetzung und der Kooperationszwang stellt eine der wesentlichen Hürden dar.

Dies könnte jedoch auch die Geschäftsprozesse zwischen den Wirtschaftspartnern der sehr heterogenen Musikbranche vereinfachen.

 

Auch die monopolartigen Strukturen der Ticketverkäufer könnten mit der neuen Technologie aufgebrochen werden. Start-ups wie Viberate, deren Konzept der direkte Verkauf von Veranstaltungstickets bedeutet, könnten für frischen Wind sorgen.

 

Durch Blockchain ergeben sich auch gute Möglichkeiten im Marketing. Maßnahmen könnten deutlich zielgerichteter angewendet werden.

Blockchain könnte für höhere Sicherheit mit Blick auf Systemausfälle und Manipulationen dienen. Auch eine Rückverfolgbarkeit sämtlicher Transaktionen zu jeder Zeit sowie schnellere und kosteneffizientere Transaktionen sprechen für Blockchain.

 

Große Musikkonzerne, die weltweite Rechte vermarkten könnten davon profitieren. Bei Kompilationen z.B. würde eine globale Rechtedatenbank eine enorme Erleichterung darstellen.

Eine etwaige Datenbank zu erstellen würde allerdings einen enormen Aufwand bedeuten. Zudem müssten dafür die großen Konzerne zusammenarbeiten, weshalb es in naher Zukunft wohl nichts damit werden dürfte.

Verwertungsgesellschaften wie der Gema würde die Blockchain bzgl. Registrierung von Abspielzeiten und entsprechender Auszahlung von großem Nutzen sein.

Globale Datenbank für das Urheber- und Leistungsschutzrecht mittels Blockchain?

Ein Versuch 2014 (Projekt „Global Repertoire Database“) scheiterte, da keine Einigung über die Standardisierung der einzupflegenden Daten erzielt werden konnte. Das könnte sich mittels Blockchain nun ändern.

Mit Blockchain ist es möglich, eine weltweite Datenbank der Musikbranche aufzubauen. Informationen können damit gespeichert werden und Abrechnungen automatisch erfolgen. Durch die permanente Aktualisierung der Daten dank der Blockchain-Technologie finden Einnahmen schneller und einfacher den richtigen Empfänger. Wechselt ein Urheber z.B. den Verlag, wird diese Information eingetragen und automatisch in den Metadaten bei allen anderen Teilnehmern angeglichen.

Ausblick

Wie schnell sich die Blockchain in der Musikindustrie durchsetzen wird ist noch offen. Dass sie aber kommen wird ist für mich zu 100% sicher.

Eine Technologie, die effizienter ist als aktuelle Systeme, wird sich früher oder später immer durchsetzen.

Der weitere Rückgang von Umsätzen mit physischen Tonträgern und die steigenden Einnahmen mit Downloads und Streaming begünstigen die Entwicklung der Blockchain-Technologie zudem.

Unabhängig davon übt die Blockchain-Technologie aktuell zumindest einen Innovationsdruck auf die Branche aus. Dieser kann Effizienzsteigerungen und Kooperationen mit sich bringen.

Ein weiterer Grund für Verzögerungen ist dem Umstand geschuldet, dass für die Bezahlung mit Kryptowährung einige Hindernisse wie z.B. bestimmte Browser oder Add-ons vorhanden sein müssen. Der Erwerb ist mit einigen Hürden verbunden und nicht mit einer herkömmlichen Banküberweisung vergleichbar. Herkömmliche Geschäftsmodelle zeigen sich hier kundenfreundlicher.

Kurzfristig ist also mit keiner einschneidenden Veränderung in der Musikindustrie durch die Blockchain-Technologie zu rechnen.

Die Technologie steckt noch in ihren Anfängen und es sind zunächst weitere Technologiesprünge erforderlich.

Langfristig wird sie aber vor allem die brancheninterne Technologieinfrastruktur verändern. Vor allem die Verwertungsgesellschaften werden betroffen sein.

Effizienzverbesserungen sind vor allem auf der Ebene der Verwertungsgesellschaften im Massenbereich und im Bereich der Lizenzvergaben, Lizenzabrechnungen, Rechteregistrierung und Rechtedokumentation zu erwarten. Auch bei Vertragsdokumentationen und Prüfprotokolle für Werkanmeldungen könnte die Technologie zum Einsatz gebracht werden.

Für die Player ergeben sich durch Blockchain nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Verwertungsgesellschaften könnten Zusatzleistungen wie die Verifizierung der eingetragenen Rechte der Künstler oder andere Dienstleistungen anbieten.

Eines ist klar: Hier bahnt sich etwas an.

Um keine Probleme wie mit der Digitalisierung in der Musikindustrie zu erleben, sollten sich die Player frühzeitig mit der Technologie auseinandersetzen, um über die notwendige Expertise zu verfügen, wenn es zu einem massenhaften Einsatz kommt.