Blockchain-Technologie als Chance für die Verwertungsgesellschaften

Der Hype um die Blockchain-Technologie erhebt diese zum Heilsbringer. Sie soll die Wunden der fehlenden Transparenz, ungenauen Metadaten und ungerechten Bezahlung der Künstler/innen heilen.

Ob die Technologie diesen Anspruch erfüllen kann ist noch fraglich!

Eines ist jedoch klar. Die Veränderungen werden sich verstärkt auf die Geschäftsprozesse der Lizenzierung bzw. auf die Tätigkeit der Verwertungsgesellschaften (z.B. die GEMA, GVL) auswirken.

Änderungen in den Geschäftsprozessen der Verwertungsgesellschaften wirken sich wiederum auf das Ökosystem der ganzen Musikindustrie und der Content-Wirtschaft im Allgemeinen aus.

Vor diesem Hintergrund stellen sich nun die Fragen:

  • Welche Auswirkungen kann ein Blockchain-basiertes System auf die Verwertungsgesellschaften haben?
  • Welche Chancen bieten sich dadurch für die Verwertungsgesellschaften?

Die Antwort findest du hier… 😉

Entgegen den Gerüchten, dass Blockchain die Verwertungsgesellschaften überflüssig machen wird, bin ich der Meinung, sie wird das Geschäftsmodell der Verwertungsgesellschaften aufwerten.

Voraussetzung dafür wird allerdings eine sinnvolle Planung und Gestaltung des Marktwandels durch die Verwertungsgesellschaften sein.

Datenbankstruktur und Blockchain

Das große Problem des aktuellen Systems ist, dass sich die Datenbanken aktuell hinsichtlich des Modells, der Datensätze sowie der Schnittstellen unterscheiden.

Die Blockchain-Technologie würde die verschiedenen Datenbanken in einer einzigen vereinen, die in verschiedenen Instanzen verfügbar sind.

Die Blockchain-Technologie würde die verschiedenen Datenbanken auf eine einzige reduzieren.

Es müssten also nicht mehr verschiedene Datenbankmodelle entwickelt und betreut werden. Auch die sich daraus ergebenden Kosten würden sich reduzieren.

Eine Herausforderung und hohen Aufwand dürfte es allerdings darstellen, einen Konsens bzgl. des Datenbankmodells zwischen den Teilnehmern zu finden. Die Anforderungen der Markteilnehmer weichen nämlich z.T. erheblich voneinander ab.

Eine weitere Gefahr sehen viele Akteure auch in einem drohenden Kontrollverlust über die Daten und Weitergabe an Streaming-Plattformen wie Spotify.

Die bestehenden Kataloge müssten in das neue Modell überführt werden, was mit hohem Aufwand und potenziellen Fehlern verbunden ist.

Auch Fehler oder Verbesserungen der Datenbankarchitektur können in dem Blockchain-System nicht wirklich in allen Instanzen gleichzeitig behoben werden.

Bedeutung der Blockchain für die Netzwerke

Durch die Einführung der Blockchain-Technologie könnte eine Redundanz der Daten erfolgen. Damit verbunden wird die Sicherheit bei Ausfällen erhöht.

Auch Transaktions- und Kommunikationswege würden sich deutlich verkürzen.

Verkürzung der Transaktions- und Kommunikationswege, höhere Sicherheit bei Ausfällen, höhere Transparenz

Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus der genauen Abbildung der Profile der einzelnen Teilnehmer im P2P-Netz (Peer-to-Peer-Netzwerk).

Eine einheitliche Entwicklung mit den Daten verknüpfte Funktionen würde zudem Entwicklungskosten sparen. Zugriffe darauf würden verkürzt werden und die Transparenz würde steigen.

Um das volle Potential von Blockchain (Auflösung der zentralen Strukturen) nutzen zu können, sollte weitgehend auf Teilnetzwerke und Limitierungen verzichtet werden.

Dies wiederum hat zur Folge, dass sensible Daten für alle Teilnehmer einsehbar werden. Es wird also ein Sicherheitskonzept nötig sein.

Die Blockchain

Die Musikwerke können innerhalb der Blockchain gespeichert werden. Um die Entstehung und Entwicklung von Musikwerken zu unterstützen, können aber auch Hashes in der Blockchain verwendet werden.

Diese verweisen auf extern gespeicherte Inhalte und könnten die tägliche Arbeit effizienter gestalten. Dadurch wäre aber der Schutz, den die Blockchain bietet in Frage gestellt. Die Speicherung in der Blockchain sorgt nämlich für einen hohen Schutz des Werkes.

Auch die Aufschlüsselung von Zahlungen der Lizenzgebühren würde vereinfacht werden.

Verwendete Geräte in der Musikproduktion könnten einen direkten und automatisierten Export in die Blockchain ermöglichen. Streitigkeiten über die Urheberschaft würden somit der Vergangenheit angehören.

Bedenklich sind allerdings die großen Datenmengen, die anfallen werden. Sie könnten für erhebliche Reaktionszeiten sorgen. Egal ob diese direkt in der Blockchain gespeichert werden oder Hashes verwendet werden.

Bleibt der kreative Prozess analog ist zudem eine lückenhafte Dokumentation zu erwarten.

Bedeutung der Smart Contracts für Verwertungsgesellschaften

Effizienz-Gewinn durch Smart-Contracts

Die automatisierte und autonome Ausführung von Smart Contracts würde einen erheblichen Effizienz-Gewinn bedeuten. Hierbei könnten Standardverträge eingesetzt werden, die individuelle Ergänzungen zulassen.

Selbst komplexe Lizenzierungen könnten so bei begrenztem Aufwand durchgeführt werden. Die Kosten für administrative Vorgänge würden erheblich sinken.

 

Auch bei Verwertungsgesellschaften oft kritisierte hohe Anzahl/Komplexität von Tarifen würden kein Problem mehr darstellen.

Die Umschreibung und Erneuerung der bestehenden Verträge wäre aber natürlich mit hohem Aufwand und Kosten verbunden.

Fehler in Smart Contracts bergen zudem höhere Gefahren als in herkömmlichen Verträgen. Aufgrund der automatisierten Abarbeitung werden diese nicht auf Plausibilität geprüft und Fehler erst spät entdeckt. Ein Werk könnte dann beliebig oft zu falschen Konditionen genutzt werden.

 

Die individuellen Ergänzungen müssen zudem gegen die Bedingungen der Verwertungsgesellschaft und des Gesetzes geprüft werden und einer gesetzlichen Kontrolle unterliegen.

Der doppelte Kontrahierungszwang verhindert Ausnahmen in der Lizenzierung.

Gerade die durch Blockchain gewährte Freiheit könnte zu Austritten der Künstler aus der Verwertungsgesellschaft führen.

 

Da die Teilnehmenden über die gleichen Funktionalitäten verfügen würden, könnten Lizenzierungsplattformen theoretisch alle Berechnungen, Transaktionen und Prozesse selbst durchführen.

Die Identifikation der Teilnehmer

Die Blockchain-Technologie basiert u.a. auf dem Prinzip, dass alle Teilnehmer im Netzwerk eine eindeutige und überprüfte Identität besitzen.

Aber gerade hier begründet sich eine der größten Herausforderungen.

Eine Lösung könnte sich aus der Evaluation einer dezentralisierten sowie zentralisierten Autoritätsinstanz (Bsp.: Verwertungsgesellschaften) ergeben.

Authentifizierung

Es ist zwingend erforderlich, dass die Identität des Werks mit Bezug zu seinem Komponisten/in sichergestellt wird. Dies könnte dadurch erreicht werden, dass dem Hash-Wert eine ID-Kennung der Werkhistorie beigefügt wird.

Zielführend ist für das Rechtemanagement, das für Eintragung, Änderung, Ergänzung etc. in das gemeinsame System zuständig ist, ein Regelwerk zur Verfügung steht.

Da für die Freigabe eines Werkes die Erlaubnis des Rechteinhabers, der Hash-Wert und die ID übereinstimmen müssen, wird eine richtige Zuordnung der Lizenzgebühren sichergestellt.

Wichtig für ein funktionierendes System ist eine neutrale Basis als Grundlagenarchitektur, in der alle Teilnehmer zu gleichen Teilen berücksichtigt werden.

Die Einpflegung der Daten in die Blockchain

Prinzipiell muss ein Blockchain-basiertes System für alle Marktteilnehmer offen sein und diese sollten ihre Daten eintragen können. Alle Daten müssen von einer gewissen Anzahl anderer Teilnehmer einsehbar oder überprüfbar sein.

Verwertungsgesellschaften könnten sich u.a. an der Aufgabe zur Überprüfung beteiligen.

Zielführend wäre, jedem nur in dem Umfang die Eintragung „seiner“ Daten zu erlauben, für die er auch garantieren kann. So kann man Fehler minimieren und dafür sorgen, dass alle Daten nur einmal existieren.

Des Weiteren würde man eine weitgehende Fälschungssicherheit erzielen und eine nicht lizenzierte Datennutzung unterbinden.

Der Haken allerdings ist, dass eine Zuweisung der Rechte und Rollen eine, zumindest erstmalig, branchenweite Koordination erfordern. Auch muss dafür ein digitaler Rechtekatalog für maximale Transparenz erstellt werden.

Von Verlagen, Verwertungsgesellschaften, Labels etc. unabhängige Künstler müssten dabei Geschäftsprozesse selbst übernehmen.

Verbesserung der Daten-Güte

Fehlerhafte oder inkonsistente Daten stellen nach wir vor ein großes Problem im Content-Management dar.

Der wesentliche Vorteil der Blockchain-Technologie ist hierbei, dass die Überprüfung der Datenqualität durch Konsensbildung des Schwarms erfolgt.

Verwertungsgesellschaften könnte die Prüfung der Informationen im Kern anvertraut werden.

Schwierig dürfte jedoch generell sein, dass wenige Teilnehmer des Netzwerks über die Kompetenz und das entgegengebrachte Vertrauen zur Prüfung marktrelevanter Informationen verfügen.

Berechnungen zur Lizenzierung erfordern zudem evtl. hohe Rechenleistungen.

Eine vermeintliche Lösung stellt sich insofern dar, dass die Prüfenden hinsichtlich ihrer Kompetenz, techn. Möglichkeiten, Vertrauen etc. bestimmt werden. Doch wer soll die Auswahl treffen?

Eine zu geringe Anzahl (Schnittmengenbildung) der Prüfenden würde zudem die Vorteile der Konsensbildung und Schwarmintelligenz schnell untergraben.

Die Unveränderlichkeit (Immutabilität)

Dadurch werden die Abhängigkeiten von Inhalten und Verträgen in elektronischer Form niedergelegt und nachvollziehbar.

Dokumentation, Recherche und die Lizenzierung werden dadurch in Zukunft einen geringeren Umfang bei geringerer Komplexität in Anspruch nehmen.

Die Vorteile, die daraus resultieren:

  • Streitigkeiten über Nutzung lassen sich leichter lösen
  • Transparenz der finanziellen Transaktionen
  • Änderungen an der Lizenz lassen sich eindeutig lösen

 

Jedoch ist die Transparenz und Sicherheit in Frage gestellt, wenn eine veränderbare Blockchain konstruiert werden kann. Bereits jetzt können Finanzströme verdeckt werden.

Transaktionen und Prozesse bei der Blockchain-Technologie

Tracking von Bestandteilen und Urhebern ermöglicht Beteiligung an künftigen Verwertungen

Das Blockchain-Konzept ermöglicht die Verwendung bei fast gleichzeitiger Bezahlung von Musikwerken.

Dadurch wird auch eine problemlose Wiederverwendung in z.B. Podcasts, Videos oder Remixes möglich. Durch das Tracking der Bestandteile und Urheber wird eine entsprechende Beteiligung an künftigen Verwertungen möglich. Grundsätzlich sind durch Blockchain höhere Einnahmen bei geringerem Aufwand zu erwarten.

Es ist jedoch abzusehen, dass die Auswirkungen auf die administrativen Prozesse zu Entlassungen führen werden. Dafür verantwortlich sind u.a. administrative Funktionen und Regelwerke, die teils übernommen und effizienter abgewickelt werden.

Was bedeutet nun die Blockchain-Technologie für die Verwertungsgesellschaften?

Um neue Technologien erfolgreich einzuführen, sind umfangreiche Planungen, eine Konzeption, Kooperation und Vorbereitung nötig.

Was nicht passieren darf ist, dass ein funktionierendes und gewinnbringendes System aufgrund von Inkompatibilität scheitert, oder zwei konkurrierende Systeme nebeneinander existieren.

Es ist also notwendig, die Entwicklung optimal zu begleiten und die Einführung abzustimmen.

Letztendlich glaube ich nicht, das Blockchain die Verwertungsgesellschaften zu 100% ersetzen kann.

Besonders im Kreativbereich geht es insbesondere im Umgang mit Künstlern um menschliches Fingerspitzengefühl. Auch kritisch zu treffende Entscheidungen erfordern menschliche Entscheidungskompetenzen.

Die Blockchain-Technologie sollte vielmehr als Unterstützung und zur Effizienzsteigerung der Verwertungsgesellschaften verstanden werden.

Vorteile von Blockchain für die Verwertungsgesellschaften

Im Zuge der Einführung der Blockchain-Technologie können die Prozesse und Werkzeuge umfassend neugestaltet werden. Administrative Vorgänge können erheblich verschlankt werden. Im internationalen Geschäft wird es zu weniger Reibung kommen.

Auch verlorene Rechteinhaber können als Kunden zurückgewonnen werden.

Ein einheitliches System und Datenbanken bedeuten weniger Importe und Anpassungen von Datensätzen. Inkompatible, fehlerhafte oder fehlende Daten würden zumindest gemindert werden und es würden Arbeit und Kosten entfallen.

Wie bereits erwähnt können Smart Contract auch erheblich die Komplexität der Tarife verdecken. Eine weitere Individualisierung von Lizenzverträgen würde kein Problem mehr darstellen.

Verwertungsgesellschaften könnten die Erstellung dieser als Dienstleistung anbieten.

Auch Lizenzierung und Zahlungen können deutlich beschleunigt und vereinfacht werden. Das Komfort Plus könnte zu einer sinkenden Hemmschwelle für Lizenzierungen führen und dadurch höhere Absätze und Mitgliederzahlen generieren. Verbesserte Prozessabläufe könnten den Absatz zusätzlich fördern.

Für Künstler könnte neben der schnellen Abwicklung und Individualisierung die Abwicklung durch die Verwertungsgesellschaft und insbesondere die Absicherung der Bedingungen sprechen.

Auch könnte die Sicherheit in vielen Bereichen verbessert werden. Die Kosten würden langfristig sinken und die Umsätze und Gewinne steigen.

Im Zuge der Blockchain-Technologie werden sich mehrere Lizenzierungsplattformen und neue Dienstleister hervortun. Der Kampf um Komponisten/innen und Rechteinhaber/innen wird sich voraussichtlich verstärken.

Bei der Gewährleistung der Rechtssicherheit zur Nutzung eines Werkes wird den Verwertungsgesellschaften eine Schlüsselfunktion zu Teil werden. Es wird an Ihnen liegen, gemeinsame Standards oder die Entwicklung eines gemeinsam genutzten Backbones für Transaktionen und Administration zu erstellen.

Eine gemeinsame und koordinierende Plattform ist für die Musikindustrie sehr wichtig. Hierbei könnte Blockchain die Lösung sein.

Fazit

Ob die Blockchain-Technologie die Musikbranche revolutionieren wird, kann aktuell nicht eindeutig bestätigt werden. Vieles spricht dafür. Derzeit existieren jedoch noch zu viele Schwächen, auf die es im Rahmen der Entwicklung eine Antwort zu finden gilt.

 

Wichtig ist jedoch, dass die Musikindustrie und insbesondere die Verwertungsgesellschaften aktiv werden/sein müssen. Entscheidungen, Evolution und Evaluation müssen mitgestaltet werden.

 

Ist dies nicht der Fall und die Blockchain-Technologie setzt sich durch, wird die Branche mit sämtlichen Problemen einer disruptiven Technologie zu kämpfen haben.

Ob mit oder ohne Blockchain ist die Etablierung eines Multi-Stakeholder-Dialogs für die Branche essenziell.

 

Matthias Hornschuh beschreibt es treffend mit:

„Es ist schnurz, ob wir das Metadatendesaster mit der Blockchain, mit Excel oder mit einem Zettelkasten in den Griff kriegen. Solange es nur passiert. Das allerdings ist unabdinglich […]. Die einzige Möglichkeit liegt darin, es gemeinsam zu tun und nicht gegeneinander.“

Und DAS ist die Chance der Verwertungsgesellschaften.

 

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